Steter Tropfen höhlt den Stein…
Im Vergleich zu der ersten Regionalkonferenz, die den Bürgermedien gewidmet war (Elblag 2008), war diese zweite eindeutig effektvoller: zweitägig, mit größere Zahl der Teilnehmer, mit Gästen aus dem Ausland und mit herausgearbeiteter Stellungnahme als dauerhaftem Beweis der Teilnehmerarbeit (übrigens erschien die Idee der Stellungnahme ad hoc und konnte nur dank Dr. Urszula Doliwa, die über eine Nacht - sic! – den größten Teil bearbeitet hat, verwirklicht werden). Das Vorspiel zur Debatte bildete das Fernsehmaterial, das durch die jungen Teilnehmer während des Workshops in Münster vorbereitet wurde. Das war ein vortrefflicher Stoff in technischer, bildlicher und sachlicher Hinsicht. Es ist nicht zu beschreiben, man sollte es sehen. (am besten auf der Webseite www.telewizjaobywatelska.org.pl). Übrigens war die ganze Konferenz grundsätzlich elektronischen Medien, also den Radiosendern und dem Fernsehen gewidmet, – grundsätzlich, weil die Empfänger doch hauptsächlich die Herausgeber von Printmedien – Organisationen, Bulletins, Zeitungen herausgeben oder Internet Services gestalten, waren.
Jeder von denen war sich doch dessen bewusst, dass man den Empfänger am einfachsten und am vollständigsten durch Ton und Bild erreichen kann, also über Fernsehen, also dachte er bestimmt: wenn eine nichtstaatliche Organisation ein Fernsehstudio für sich einrichten kann, warum dann nicht meine? Hoffentlich entsteht diese Idee in vielen Köpfen…
Ein sehr wichtiger Punkt des Treffens war die Aufführung der erwähnten Dr. Ula (Die Universität Ermland-Masuren), die die Rechtssituation der Bürgermedien (gesellschaftlicher Medien) in Polen vorgestellt hat. Eine sehr kompetente Aussage, die Kenntnisse der Materie zeigt. Sie gab eine gute Basis für eine Diskussion zu diesem Thema her und regte die Teilnehmer der Konferenz zur Formulierung einer Stellungsnahme an die polnischen Behörden an, in der folgenden Forderungen formuliert wurden:
- größerer Zugang der nichtstaatlichen Organisationen zur Frequenzen durch Änderung der Politik der Konzessionserteilung in Polen, Verarbeitung der Präferenzbedingungen, zu der die Bürgerrundfunk und Fernsehinitiativen solche Konzessionen beantragen könnten, und Gründung eines Fonds (die Fonds dieser Art bestehen schon in mehreren europäischen Staaten), von dem man solcher Sender teilweise unterhalten könnte
- größerer Zugang der nichtstaatlichen Organisationen zur öffentlichen Medien durch Vergabe der Sendezeit für diese Organisationen, sowohl auf dem regionalen als auch Landesebene
- Realisierung der seit dem Jahr 2003 nicht angewendeten Bestimmungen des Gesetzes über gemeinnützige Tätigkeit und Volontariat, das den gemeinnützigen Organisationen das kostenlose Informieren über ihre Tätigkeit durch Einheiten des öffentlichen Rundfunks und Fernsehens ermöglicht (Art. 26)
- größerer Einfluss der Gesellschaft auf die Gestaltung der öffentlich-rechtlichen Medien durch Gründung nach dem Vorbild von BBC in Großbritannien eines, gegenüber dieser Medien externen Rats, der aus Gesellschaftsvertretern besteht und der die Tätigkeit der öffentlich-rechtlichen Medien beurteilt
- Förderung der medialen Bürgeraktivität durch Entwicklung der medialen Bildung, des Schulungssystems für Kinder und Jugendliche sowie für Erwachsene
Das Organisieren von verschiedenen Unterstützungsformen für Personen, die solche Medien gestalten wollen.
Die Stellungnahme wurde einstimmig angenommen und sie liegt schon auf den Schreibtischen einiger Entscheidungsträger der Regierung, u.a. beim Landesrat für Rundfunk und Fernsehen. Wir sind uns dessen bewusst, dass solch eine Aktion keinen Umbruch bring, aber– steter Tropfen höhlt den Stein…
Die folgenden Debatten, bei den Red. Zbigniew Wytrążek und Red. Juliusz Marek als Experten anwesend waren, betrafen die Möglichkeiten der Analyse der nicht einfachen Situation der Bürgermedien, die lockeren Anmerkungen zum Thema des Bürgerjournalismus, der Medienethik, aber auch Präsentation der guten Praxis: Zusammenarbeit des Elbinger Fernsehens mit den Organisationen, die eigene Sendungen produzieren oder die solche Produktionen für eigene Projekte bestellen. Immer öfter auftretende Erscheinung, die einer Förderung wert ist.
Sehr interessant war das durch Dr. Joachim Musholt präsentierte Panorama der Bürgermedien in Deutschland. Na ja, wir konnten feststellen, dass wir etwas hinterher sind, dass dort das entsprechende, für die Bürgermedien freundliche Recht schon besteht und die Verwaltung großzügiger bei der Finanzierung solcher Initiativen ist (obwohl Joachim betont hat, dass die goldenen Zeiten schon vorbei sind und man angefangen hat den Gürtel enger zu schnallen). Interessant war es auch die Präsentation der Arbeit des offenen Studios, das durch seine Organisation geführt wird, wo jeder Einwohner eine Kamera leihen kann und sein eigenes material, selbstverständlich mit Hilfe von Ehrenamtlichen, produzieren und senden kann.
Die Kirsche auf der Sahnetorte war die Präsentation des kleinen Films, der durch die Teilnehmergruppe innerhalb ein paar Stunden, unter Aufsicht von Jola, Bartek i Qbi aus dem Bürgerfernsehen realisiert wurde.
Am meisten hat mich beschäftigt, auf welche Weise die Flasche mit Bier an den liegenden Herrn herangekrochen war. In der Tat, die Jugend ist begabt….
Die Konferenz hat den Erwartungen gemäß das Niveau sehr hoch angesetzt. Was soll man für die nächste vorbereiten?
Arkadiusz Jachimowicz
Projekt “Bürgermedien- Werkzeug des sozialen Dialogs” wird vom Elbinger Verein zur Förderung der Nichtregierungsinitiativen in Zusammenarbeit mit dem European Youth4media-Verein aus Deutschland umgesetzt. Das Projekt wird aus Mitteln des EWR-Finanzierungsmechanismus und Norwegischen Finanzierungsmechanismus im Rahmen des Fonds zur Förderung von grenzüberschreitenden und interregionalen Kleinprojekten kofinanziert.
